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EQUITUM ULTIMORUM

Junker_Wolf




Junker Wolf

Im Jahre des Herrn 1477 an einem eisigen Wintermorgen am Rande eines kleinen Dorfes, bereitet sich ein kleiner versprengter Trupp, der schon seit einigen Tagen durch die Lande zieht darauf vor, dass verschlafene Bergdörfchen zu plündern. Der Haufen zählt geflohene Soldaten samt einiger Trossweiber die unter Karl dem Kühnen bei Nancy gekämpft hatten. Als Karl in der Schlacht viel, lösten sich seine Truppen bald auf und zerstreuten sich in alle Winde. Da der kleine Trupp nun tief in Feindesland war, konnten sie sich nur durch Übergriffe und Plünderungen an unbefestigten Dörfern versorgen. Die Gruppe setzte sich in Marsch auf das Dorf zu, wozu sie alles im Lager zurückließen, was bei ihrem Blitzangriff hinderlich sein konnte. Eine der Trossfrauen legte einen etwa einjährigen Knaben in Decken gewickelt nah ans Feuer . . . .    sie würden schon bald zurückkommen mit reichlich Nahrung für alle . . . .

Die Zeit verging und ein ganzer Tag verstrich, schon bald war nichts mehr von dem Tumult in dem kleinen Bergdorf zu hören. Die Bewohnerwaren vorbereitet und mit ein paar marodierenden Söldnern ließen sie dem übermüdeten und geschwächten Trupp seine letzte Niederlage erleiden. Nicht einer aus dem Haufen überlebte . . .

Am frühen Abend, als es bereits dunkelte, bemerkte der Schmied des Dorfes ein kleines glimmendes Feuer, welches schon längst nicht mehr die Kraft hatte die Wölfe abzuhalten. Er beschloss nachzusehen ob dort noch einiges an brauchbarem Material zu finden war und machte sich auf den Weg zum Lager der Angreifer. Seit Tagen schon fiel der Schnee und überzog das Lager mit einem feinen Flaum, so dass es dem Schmied nicht leicht fiel, dass Lager zu überblicken. Als Er ankam lag die winterliche Stille über den letzten Habseligkeiten der Feinde und nur das leise Knistern der letzten flackernden Flammen war zu vernehmen. Zwischen den Weidenkörben, Kisten und eilig errichteten Behelfsmaterial waren immer wieder die glühenden Augen der Wölfe zu sehen die das Lager durchstöberten. Als der Schmied nach einem Holzscheit greift um die Tiere zu verjagen bemerkte er das sich leicht bewegende Bündel im Lichtkreis des schwachen Feuers. Er sank auf die Knie. . .  Ein schwarz-gelbes Bündel Leinen lag vor ihm. Die großen schwieligen Hände, geschunden von der Arbeit an der Esse, griffen nach dem Stoff.   Noch warm vom erlöschenden Feuer erblickte er einen Säugling, der ihn mit großen stahlgrauen Augen ansieht. Kein Laut dringt aus dem Knaben. Er erkennt die Stärke, die in diesem Kind liegt, beschließt ihn mit sich in seine Schmiede zu nehmen und ihn wie seinen eigenen Sohn groß zu ziehen. Er gibt ihm den Namen Wolf. Als der Knabe sechs Lenze bei ihm lebte, beginnt er ihn zu einem Schmied heran zu ziehen. Die harte Arbeit und die Hitze schliffen den Knaben zu einem jungen Mann. Jahre ziehen vorbei und es kommt der Tag an dem der Alte Mann nun die Geschichte erzählt von dem angreifenden Haufen, dem Lager und den Wölfen. Er öffnete eine Kiste und übergab dem Jungen das Leinen, in welches er einst gewickelt war. . . Es war ein Schwarzgelber Waffenrock wie ihn nur ein Edelman in der Schlacht trägt. Von der Idee besessen herauszufinden woher er stammt, beschließt Wolf gen Westen zu ziehen. Zum Abschied übergab ihm der Schmied ein Schwert welches sie gemeinsam gefertigt hatten.

Da es für das gemeine Volk verboten ist edle Gewänder zu tragen verbirgt Wolf seinen Waffenrock unter einem Lederpanzer und zieht als Waldläufer durch die Lande auf der Suche nach seiner Herkunft.

Eines Tages im Herbst des Jahres 1490 zog der Kriegstross des deutschen Königs Maximilian I. durch das Rheintal was sich rasch herumsprach. Wolf beschloß sich dem Heer anzuschließen, um Antworten auf seine Fragen zu erhalten. Einer der Herolde verwies ihn an den Hauptmann der Infanterie, den späteren Grafen von Löwenstein welcher in ihm und seiner Geschichte seinen vor 14 Jahren entführten Cousin erkannte und ihm somit zur Ausbildung und als Knappe mit sich nimmt.
Seither zieht Wolf, der den Namen dem ihm sein Ziehvater gab beibehielt, an der Seite von Renard zu Fehden, Schlachten und Turneyen  und hofft eines Tages ebenso zum Ritter geschlagen zu werden wenn er das rechte Alter erreicht und sich bewährt hat.




















© René Augustin
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